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1991 war noch der alte Flughafen und Bruno wusste schon, dass man sich auf einen Gepäckwagen stürzen muss, sobald man die Einreiseformalitäten hinter sich gelassen hatte. Denn es hatte nicht genug Wagen. Bereits am Flughafen spürt man die kenyanische Gemütlichkeit, denn wie bei den Einreiseformalitäten so hat man auch am Zoll längere Wartezeiten. Am besten man passt sich gleich an und nimmt es gemächlich wie die Kenyaner. Wir hatten also alles geschafft und fuhren mit dem Bus während 1 1/2 Stunden zuerst durch die Stadt, auf die Fähre und dann an die Südküste. Eigentlich war ich müde und doch viel zu aufgeregt, um mir all die vielen neuen Eindrücke entgehen zu lassen. Auf der Fähre war der erste hautnahe Kontakt zu "diesen Schwarzen". Ich fühlte mich unsicher und dachte: was sind das für Menschen, was wollen die von mir, warum schauen die mich so an? Ich fühlte mich unwohl, weil ich Kenya und die Menschen noch nicht kannte. Die Fähre hatte bald übergesetzt und es ging weiter. Es gab so viel Neues, Interessantes, Ungewohntes, Einfaches und Fremdes zu sehen! So gegen 8 Uhr sind wir im Hotel angekommen, haben unser Zimmer bezogen und das Hotel angeschaut. Am Nachmittag wollte Bruno seinen Kollegen Nicki aufsuchen, den er von seinen vorherigen Kenyaferien kannte. Wir fanden ihn und er freute sich riesig über uns. Es entstand eine Freundschaft und später war es so etwas wie unsere Patenfamilie. Über all die Jahre schrieben wir uns und natürlich haben wir immer etwas mitgebracht für die Familie. In jeden Ferien durfte er einmal nach Herzenslust einkaufen. Einmal haben wir ihm auch ein Fahrrad gekauft, da der Bus zur Arbeit für ihn schlicht zu teuer war. Wenn ich mir die Fotos anschaue, könnte man meinen, er stehe vor einem teuren Sportauto und nicht vor einem Fahrrad. Natürlich wurden wir schon in meinen ersten Kenyaferien von ihm zu sich nach Hause eingeladen. Er wohnte weit weg, mit dem Auto ca. 20Min. Obwohl er sehr bescheiden lebte, war es für mich ein traumhaftes Plätzchen! Mitten im Palmenwald! Zu essen gab es frische Ananas, Bananen und Kokosnuss, die von den Kindern extra für uns frisch von der Palme geholt wurden. Er zeigte uns das Dorf und von weitem durften wir dem Ältesten Rat zuschauen, der gerade im Schatten eines grossen Baobab-Baumes abgehalten wurde. Wir machten oft Spaziergänge mit Nicki durch sein Dorf. Glauben Sie mir, wir haben oft lustige Sachen erlebt. Wenn mir mal jemand gesagt hätte, dass mir einmal ein 26° warmes Cola mal schmecken würde, den hätte ich glatt für verrückt erklärt. Wir waren wieder bei Nicki und er hat sich vorgenommen, uns mehr von seinem Dorf zu zeigen. Da es eine ziemliche spontane Aktion war, hatten wir auch kein eigenes Wasser dabei. Nach gut 2 Stunden spazieren bei ca. 30° kamen wir an einem einheimischen Restaurant vorbei. Da es weit im Busch war gab es keinen Strom, ohne Strom keinen Kühlschrank. Trotzdem war dies das beste Cola in meinem Leben, weil ich so Durst hatte, und froh war, überhaupt etwas zum Trinken zu bekommen. Neben dem richtigen „Afrikanischem Leben“ zeigte mir Bruno auch den schönen Strand, und Strandbuchten von der Diani Beach. Er zeigte mir fast alle Strandrestaurants. Auch wenn wir Halbpension gebucht hatten, gingen wir auch ausserhalb des Hotels essen. Es gibt den Chinesen, Inder, Italiener und diverse einheimische sowie europäische Restaurants. Wenn man Kenya so kennen lernt, muss man es einfach lieben. Auch die schönsten Ferien gehen mal zu Ende. Als ich nach diesen ersten Kenyaferien morgens im Bus zum Flughafen sass, weinte ich. Ich wollte dieses Land nicht verlassen. Mein Herz schmerzte, ich war unendlich traurig, ja fast schon verzweifelt. Erst viel später verstand ich, was mein Herz in diesem Moment zu mir sagte:
Kwaheri, na tutaonana tena Ein Teil von meinem Herzen blieb dort und so kehrten wir bis 1996 noch 7 Mal nach Kenya zurück. Jedes mal wenn die Ferien kamen, sprachen wir auch über andere Reiseziele. Nur schon der Gedanke Kenya nicht zu sehen, wenn es doch möglich war, zerriss mir fast mein Herz. Deshalb konnte ich mich bis heute nicht für ein anderes Reiseziel entscheiden.
Kenya, Nitarudi
Und so begann alles für Tanja... |
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