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Zusammen mit anderen Touristen wechselten wir auf ein weiteres bekanntes Transportmittel, eine Dhow. Mit diesen Booten wurden früher die Handelsbeziehungen mit Arabien aufrechterhalten. Bereits von hier aus konnte man die der Küste vorgelagerte, geschichtsträchtige Insel Wasini sehen. Doch zunächst fuhren wir um sie herum, um im Kisite Marine Nationalpark Schnorcheln zu gehen und vielleicht mit viel Glück auf Delphine zu stossen.
Immer wieder ragten prächtige, von den Wellen geformte Korallenskulpturen aus dem Wasser. Nie bot uns das Meer einen langweiligen Anblick, im Gegenteil. Die langsame Fahrt erlaubte uns auch einen Blick durch die klare Wasseroberfläche, wo wir farbenfrohe Fische, Seeigel und bunte Seesterne entdecken konnten. Eine kleine bei Ebbe freigelegte Sandbank war unser Ziel. Dutzende von verschiedenen Vögeln tummelten sich darauf, ruhten von anstrengenden Flügen aus, bis sie von der steigenden Flut wieder zum Weiterfliegen gezwungen wurden.
Wir begaben
uns mit Schnorchel und Taucherbrille ausgerüstet ins Wasser, um die
Unterwasserwelt am steil abfallenden Korallenriff genauer unter die Lupe zu
nehmen. Jetzt erst recht eröffnete sich uns die atemberaubende Schönheit des
indischen Ozeans mit seinen lebenden Schätzen. Fische in allen Formen, Farben
und Grössen, Einzelgänger und riesige Schwärme, Muscheln, Seeigel, Korallen,
Aale und Seegurken machten diesen Vormittag zum eindrücklichen Erlebnis.
Einwenig enttäuscht war ich allerdings schon, als andere erzählten, sie hätten
sogar zwei Tintenfische gesehen. Na ja, man kann ja nicht alles auf einmal
haben, was wäre für mich dann bei meiner nächsten Reise noch neu? Und Grund zu
Klagen hatte ich bei den vielen Dingen, die ich gesehen habe, ja wirklich nicht.
Über die Rücksichtslosigkeit der Anderen genervt, fuhren wir dann zurück nach Wasini Island. Wir ankerten im seichten Gewässer und warteten darauf, mit einem kleineren Boot ans Ufer gebracht zu werden. Die kurze Überfahrt wurde insofern zum Abenteuer, als dass diese kleine, ich würde es einmal Nussschale bezeichnen, einige Risse und Löcher im Rumpf hatte, das Wasser sich auf dem Boden verteilte und die ohnehin schon sehr wacklige Angelegenheit noch in eine Rutschbahn verwandelt. Den Besitzer schien das nicht weiter zu stören. Und genau diese Unbekümmertheit fasziniert mich immer wieder aufs Neue. In Kenya überrascht mich Nichts mehr. Es hätte auch schlimmer kommen können… Aber einmal ehrlich, wäre diese Mitfahrgelegenheit auseinander gebrochen, wäre ja auch nichts Wahnsinniges passiert, denn das Wasser war nicht tief und nass waren eh alle schon vom Schnorcheln, und die Kleider hätten in dieser Hitze schnell getrocknet. Also was soll man sich da noch grosse Gedanken machen. Wieder festen Boden unter den Füssen schlenderten wir zu einem Restaurant, wo auch schon der gedeckte Tisch auf uns wartete. Da man in der Gegend vom Ozean lebt, wurden auch wir mit den Köstlichkeiten des Meeres verwöhnt. Eine breite Palette von Meeresfrüchten und für uns etwas ungewohnt auch Seealgen standen auf der Speisekarte. Nach anfänglicher Skepsis konnte ich mich überwinden, diese grüne Masse zu kosten und wurde mit einem genüsslichen Leckerbissen belohnt. Die Überwindung, Seealgen zu probieren, hat sich bei weitem gelohnt. Mit diesen traditionellen Gaumenfreuden gestärkt, ging es auf den Inselrundgang, der einen kurzen, geschichtlichen Einblick in die Sklavenherrschaft gewährte. Leider waren die Anderen mehr an einem weiteren Tauchgang als an der Geschichte interessiert und so zogen wir weiter. Die erdrückende Hitze und die Aussicht auf Abkühlung im Meer, liessen uns nicht die Gelegenheit, den Korallengarten der Insel zu besichtigen. Erst im Nachhinein erfuhr ich, welch imposante von der Natur geformten Skulpturen da zu entdecken gewesen wären. Das ist eben der Nachteil des Reisens in einer Gruppe. Man kann nicht allen Bedürfnissen gerecht werden. Wieder auf dem Festland eingetroffen machten wir uns auf die Rückfahrt zum Hotel. Und am Abend konnten wir auf einen weiteren unvergesslichen Tag in Kenya’s abwechslungsreicher Natur zurückblicken. (September 2001 - tm)
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