Wasini Island

 
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Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir gegen 7.00h Uhr mit einem Kleinbus vom Hotel weg. Zuerst ging es über asphaltierte Strasse durch Ukunda, Mwabungo und weiter Richtung Süden und bogen links weg. Von nun an war es eine holprige Naturpiste, welche einem so richtig wachrüttelte, um für diesen Tag aufmerksam zu sein. Schon früh morgens war es eine pralle Hitze und wir waren froh, genügend Mineralwasser eingepackt zu haben. Auf der abwechslungsreichen Fahrt gab es immer wieder Neues zu entdecken und zu bestaunen, wenn man denn auch hinschaute. So war es interessant das Feilschen auf dem Markt von Ukunda zu beobachten, oder den spielenden Kindern auf einem Pausenplatz nachzuschauen, die Tricks der Matatufahrer bei der Polizeikontrolle herauszufinden, oder einfach die mit Palmen übersäte Gegend zu bestaunen und geniessen, bis wir dann wieder an der Küste bei Shimoni angelangt waren.

Zusammen mit anderen Touristen wechselten wir auf ein weiteres bekanntes Transportmittel, eine Dhow. Mit diesen Booten wurden früher die Handelsbeziehungen mit Arabien aufrechterhalten. Bereits von hier aus konnte man die der Küste vorgelagerte, geschichtsträchtige Insel Wasini sehen. Doch zunächst fuhren wir um sie herum, um im Kisite Marine Nationalpark Schnorcheln zu gehen und vielleicht mit viel Glück auf Delphine zu stossen.

Felsskulptur im Kisite Marine Nationalpark

Immer wieder ragten prächtige, von den Wellen geformte Korallenskulpturen aus dem Wasser. Nie bot uns das Meer einen langweiligen Anblick, im Gegenteil. Die langsame Fahrt erlaubte uns auch einen Blick durch die klare Wasseroberfläche, wo wir farbenfrohe Fische, Seeigel und bunte Seesterne entdecken konnten. Eine kleine bei Ebbe freigelegte Sandbank war unser Ziel. Dutzende von verschiedenen Vögeln tummelten sich darauf, ruhten von anstrengenden Flügen aus, bis sie von der steigenden Flut wieder zum Weiterfliegen gezwungen wurden.

Wir begaben uns mit Schnorchel und Taucherbrille ausgerüstet ins Wasser, um die Unterwasserwelt am steil abfallenden Korallenriff genauer unter die Lupe zu nehmen. Jetzt erst recht eröffnete sich uns die atemberaubende Schönheit des indischen Ozeans mit seinen lebenden Schätzen. Fische in allen Formen, Farben und Grössen, Einzelgänger und riesige Schwärme, Muscheln, Seeigel, Korallen, Aale und Seegurken machten diesen Vormittag zum eindrücklichen Erlebnis. Einwenig enttäuscht war ich allerdings schon, als andere erzählten, sie hätten sogar zwei Tintenfische gesehen. Na ja, man kann ja nicht alles auf einmal haben, was wäre für mich dann bei meiner nächsten Reise noch neu? Und Grund zu Klagen hatte ich bei den vielen Dingen, die ich gesehen habe, ja wirklich nicht. Delphine im Kisite Marine NationalparkAuf der Rückfahrt rundete die Entdeckung der vier Delphine das Ereignis noch ab. Lange beobachten wir die graziösen Gestalten, welche sich durch unser Eindringen in ihr Revier keinesfalls gestört fühlten. Diese Idylle wurde dann aber von einigen respektlosen Touristen jäh zerstört und überschattet, da sie den Tieren mit einem Motorboot nachjagten und zu einer Gruppe von ca. 10 Leuten gleichzeitig ins Wasser sprangen, in der Hoffnung, einen dieser faszinierenden Geschöpfe zu berühren. Das laute Gekreische führte natürlich dazu, dass die Tiere weiter abtauchten und erst in weiterer Entfernung wieder zum Luftholen an der Oberfläche erschienen, um für uns für immer in der ruhigen Weite die Ungestörtheit zu geniessen.

Über die Rücksichtslosigkeit der Anderen genervt, fuhren wir dann zurück nach Wasini Island. Wir ankerten im seichten Gewässer und warteten darauf, mit einem kleineren Boot ans Ufer gebracht zu werden. Die kurze Überfahrt wurde insofern zum Abenteuer, als dass diese kleine, ich würde es einmal Nussschale bezeichnen, einige Risse und Löcher im Rumpf hatte, das Wasser sich auf dem Boden verteilte und die ohnehin schon sehr wacklige Angelegenheit noch in eine Rutschbahn verwandelt. Den Besitzer schien das nicht weiter zu stören. Und genau diese Unbekümmertheit fasziniert mich immer wieder aufs Neue. In Kenya überrascht mich Nichts mehr. Es hätte auch schlimmer kommen können… Aber einmal ehrlich, wäre diese Mitfahrgelegenheit auseinander gebrochen, wäre ja auch nichts Wahnsinniges passiert, denn das Wasser war nicht tief und nass waren eh alle schon vom Schnorcheln, und die Kleider hätten in dieser Hitze schnell getrocknet. Also was soll man sich da noch grosse Gedanken machen.

Wieder festen Boden unter den Füssen schlenderten wir zu einem Restaurant, wo auch schon der gedeckte Tisch auf uns wartete. Da man in der Gegend vom Ozean lebt, wurden auch wir mit den Köstlichkeiten des Meeres verwöhnt. Eine breite Palette von Meeresfrüchten und für uns etwas ungewohnt auch Seealgen standen auf der Speisekarte. Nach anfänglicher Skepsis konnte ich mich überwinden, diese grüne Masse zu kosten und wurde mit einem genüsslichen Leckerbissen belohnt. Die Überwindung, Seealgen zu probieren, hat sich bei weitem gelohnt. Mit diesen traditionellen Gaumenfreuden gestärkt, ging es auf den Inselrundgang, der einen kurzen, geschichtlichen Einblick in die Sklavenherrschaft gewährte. Leider waren die Anderen mehr an einem weiteren Tauchgang als an der Geschichte interessiert und so zogen wir weiter. Die erdrückende Hitze und die Aussicht auf Abkühlung im Meer, liessen uns nicht die Gelegenheit, den Korallengarten der Insel zu besichtigen. Erst im Nachhinein erfuhr ich, welch imposante von der Natur geformten Skulpturen da zu entdecken gewesen wären. Das ist eben der Nachteil des Reisens in einer Gruppe. Man kann nicht allen Bedürfnissen gerecht werden.

Wieder auf dem Festland eingetroffen machten wir uns auf die Rückfahrt zum Hotel. Und am Abend konnten wir auf einen weiteren unvergesslichen Tag in Kenya’s abwechslungsreicher Natur zurückblicken.

(September 2001 - tm) 

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