Nairobi

 
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Viele kennen in Nairobi nur einen der Flughäfen. Das kommt davon, dass sie gleich nach Ankunft weiter auf Safari in die Masai Mara oder einer der anderen nördlicher gelegenen Nationalparks fahren. Die Stadt selbst kennen eher wenige Touristen.

Es war mir ein Anliegen, dass mein Mann Omari schon einmal geflogen war, bevor er den 8 1/2 stündigen Flug in die Schweiz in Angriff nehmen sollte. So flogen wir zusammen nach Nairobi, um eigentlich das Visum für die Schweiz zu beantragen, was aber im ersten Anlauf nicht gleich klappte. Für unseren Aufenthalt in Nairobi haben wir 3 Tage eingeplant. Da ich mich vorher natürlich nicht über die Öffnungszeiten der Botschaft informiert habe, standen wir am Nachmittag nach dem Mittagsflug vor fast verschlossenem Schalter. Das heisst, es war jemand da, der uns nur die Formulare für den Visumsantrag aushändigte und uns anwies, diese ausgefüllt am nächsten Morgen wieder zu bringen. Wie ich jetzt erfuhr, ist die Botschaft nämlich nur von 9-11 Uhr geöffnet. Dass es dazu auch noch Fotos braucht, habe ich auch nicht gedacht. So verbrachten wir unseren ersten Nachmittag damit, ein Fotofachgeschäft zu suchen, welches auch Passfotos macht, und die erhaltenen Formulare auszufüllen.

Am nächsten Morgen standen wir pünktlich um 9.00 Uhr am Schalter. Nachdem die Visumssachbearbeiterin die Papiere, auch jene, die ich aus der Schweiz mitgebracht hatte, eingehend studiert hat, sagte sie zu uns, wir sollen am nächsten Tag mit dem Pass wieder kommen.

Total aufgekratzt vor Vorfreude, dass es so schnell klappen sollte, gingen wir zurück zu unserem Taxi. John, unser Taxifahrer, merkte sofort, dass wir gute Laune hatten und fragte, was wir nun machen wollen. Wir hatten keine Ahnung, da wir Nairobi ja nicht kannten. Er erklärte uns, dass es ausserhalb Nairobis einen See mit Flusspferden gibt und ob das was wäre. Wir dachten: ja, warum nicht. Wir fragten nicht einmal, wie weit ausserhalb dieser See liegt und wieviel es kosten würde, so aufgekratzt waren wir. Na ja, nach europäischem Denken ist ausserhalb der Stadt 30 Minuten, maximal eine Stunde. In Kenya sind das vier Stunden Autofahrt zum Lake Naivasha. Aber das merkten wir erst später. Die Hinfahrt war wunderschön und beeindruckend. Wir fuhren auf einer erhöhten Verbindungsstrasse entlang eines Hanges des Rift Valleys. Man hört so viel von diesem Rift Valley, aber dass es wirklich so atemberaubend schön ist... Überwältigend ist es vor allem dann, wenn man das ganze Tal überblicken kann.

Da es ein sehr spontaner Ausflug war, hatte ich nur die Foto- nicht aber die Videokamera dabei, was ich an diesem Tag noch öfters bereuen würde. John musste etwas langsamer fahren, weil Affen am Strassenrand waren. Rechts von der Strasse sass ein riesiges Pavianmännchen. Er sah wirklich angriffslustig aus. John blieb zum Glück nicht stehen, weil das zu gefährlich gewesen wäre. Einige Kilometer weiter war die Aussichtsplattform übers Rift Valley. Diese Weiten! Es war einfach unbeschreiblich! Nach langem Feilschen um ein Souvenir konnten wir endlich weiterfahren. An kleinen Dörfern, Blumenplantagen und weiten Feldern vorbei, kamen wir zum Lake Naivasha. Auf einem Campingplatz mit Restaurant direkt am See machen wir Rast. Um die Flusspferde zu sehen, hätten wir ein total überteuertes Boot mieten müssen, was wir dann doch gelassen haben. Wir genossen die Umgebung und den See so. Wir liessen uns im gemütlichen Restaurant die Geschichten erzählen, was die Flusspferde früher so alles angestellt hatten, als der Campingplatz noch nicht mit einem elektrischen Zaun gesichert war. Nächtliche Zeltbesuche dieser Kolosse waren anscheinend normal. Auf einer anderen schönen Strecke fuhr uns John nach Nairobi zurück, aber nicht ohne seinen Bruder in einem der kleinen Dörfer zu besuchen. Nach dieser langen Autofahrt kamen wir erst abends um 20 Uhr, sehr müde aber zufrieden, im Hotel an.

Am nächsten Morgen gingen wieder zur Botschaft, voller Erwartungen, die dann dort etwas gedämpft wurden. Ich musste noch einige Informationen geben, welche sie zuerst prüfen und abklären wollten. Sie sagten uns, wir sollen am nächsten Tag nochmals kommen.

John wartete schon in seinem Taxi, da es etwas länger dauerte. Inzwischen war es fast schon Mittag, und wir gingen ins Klub-House essen, wo Johns Freundin arbeitete. Es war ein tolles Haus mit Restaurant, Disco und einem Billardtisch, wo wir auch gleich zwei Runden vor dem Essen spielten. Denn dort (in Kenya allgemein) dauert es immer etwas länger bis das Essen kommt, da es immer frisch zubereitet wird.

Am Nachmittag schlug uns John eine Stadtrundfahrt vor. Stimmt! Die Stadt haben wir ja noch gar nicht richtig gesehen. Bei einer langsamen Taxifahrt quer durch Nairobi, zeigte und erklärte er uns alle wichtigen Gebäude, Sehenswürdigkeiten , Plätze und den Uhuru-Park, wo Jomo Kenyatta 1963 Kenyas Unabhängigkeit ausgerufen hatte. (Uhuru = Freiheit/Unabhängigkeit). Das allertollste, was uns John ermöglicht hat, war ein Besuch auf dem Kenyatta Conference Centre. Dies ist eher aussergewöhnlich, weil das aus Sicherheitsgründen nicht als Aussichtsturm für Massentourismus gedacht ist und somit nicht gross der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Aus diesem Grund muss man zur Besichtigung die Erlaubnis eines hauseigenen Führers erfragen, denn alleine darf man nicht auf dieses Dach. Und John hat das eben für uns gemacht. Nachdem wir die letzten drei Stockwerke die Treppe hoch gelaufen sind, mussten wir oben einen kleinen Eintrittspreis bezahlen, der sich aber lohnte. Denn wir genossen einen fantastischen Rundblick! Wir sahen das Denkmal und die Gedenkstätte von Jomo Kenyatta, dem ersten Präsidenten Kenyas und vieles mehr. Diese Aussicht war der perfekte Abschluss einer wunderschönen Stadtbesichtigung bei strahlend blauem Himmel.

Ein letztes Mal fuhren wir am nächsten Tag zur Botschaft und erhielten die niederschmetternde Nachricht, dass Omari das Touristenvisum nicht bekommt. Sehr enttäuscht und frustriert flogen wir noch am gleichen Tag nach Mombasa zurück. Erst nach der Heirat bekamen wir ohne Probleme das Ehevisum, und so stand unserem Flug in die Schweiz am 3. Juli 2001 nichts mehr im Wege.

Nairobi ist eine interessante, geschichtsträchtige und schöne Stadt. Wir werden sie bei unserem nächsten Besuch in Kenya bei Gelegenheit sicher noch einmal erkunden und auch mehr Zeit dafür einplanen.

(Februar 2001 - khm)

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