Zukunft der Kinder

 
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Kenya hat eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt. Gründe dafür liegen meist noch in alten, traditionellen Wertvorstellungen. In Kenya gibt es oftmals keine Maschinen, welche das Feld bestellen und somit bedeutet jedes Kind eine Arbeitskraft. Auch gelten sie als Altersversicherung, denn wer sonst würde sich um die Eltern kümmern wenn sie einmal alt oder krank sind und nicht mehr arbeiten können? Zudem setzt man Kinder mit Reichtum gleich oder es ist Sache des Prestige. Je mehr Kinder, speziell Söhne, der Familie angehören, desto grösser ist das Ansehen im Dorf. Und nicht zu vergessen, sind sie doch auch Zeugnis der Männlichkeit. Ein weiterer wohl wichtiger Grund ist, dass Kenya über eine relativ gute Gesundheitsversorgung verfügt und somit die Säuglingssterblichkeitsrate viel tiefer als in anderen vergleichbaren Ländern der Dritten Welt liegt.

In ländlichen Gebieten sind 7-8 Kinder keine Seltenheit. Doch steht immer weniger Land zur Verfügung. Die Städte locken mit Arbeit, eine Abwanderung findet statt. Viele werden enttäuscht, denn sie finden auch hier keinen Job. Denn zu viele sind aus dem gleichen Grund hierher gekommen. Hinzu kommt, dass durch die Industrialisierung viele Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden. Da sie all ihr hart Erspartes für die Reise in die Stadt ausgegeben haben, gibt es kein Weg zurück, eine Sackgasse, die nur zu oft in den Slums von Nairobi und Mombasa endet. Durch hartnäckige, entschlossene Aufklärungsarbeit findet allmählich ein Umdenken statt. Doch ist ein Bewusstseinswandeln in der ganzen Gesellschaft nötig. Die Bevölkerungsexplosion hat ihre Ursache in der Armut und die Armut hat ihren Ursprung unter anderem in der Bevölkerungsexplosion. à ein Teufelskreis!

Oftmals verlässt auch ein Vater die Familie, um noch eine andere, meist jüngere Frau zu heiraten. Dies ist möglich, weil in Kenya die Vielehe gesetzlich zugelassen ist. Früher blieben die Frauen mit ihren Kindern auf dem Land des Mannes wohnen, denn sie wurden nicht benachteiligt, hatten sie doch ihr kleines Stück Land und ihre eigene Hütte. Doch heutzutage sieht das ganz anders aus. Allein zurück bleibt die Frau mit ihren Kindern. Nur mit Glück und bei guter Ernte kann sie einwenig Bargeld verdienen, indem sie die Überschüsse verkauft. Aber das Wenige reicht bei weitem nicht aus, um all ihre Kinder zur Schule zu schicken. Auch wenn sie arbeitet sieht die Lage nicht viel besser aus.

Die Aussicht auf eine Arbeitsstelle nach der Schule ist gering. Zu viele Schulabgänger gibt es jedes Jahr, aber Arbeitsplätze werden kaum neue geschaffen. Und trotzdem rackern sich die Eltern ab, denn sie glauben an die Macht des Abschlusszeugnisses und halten an der winzigen Hoffnung fest, dass es eines ihrer Kinder doch noch schaffen wird. Und findet dann wirklich einer eine Stelle, so wäre er verpflichtet, der übrigen Familie zu helfen. Doch mit den niedrigen Hungerslöhnen kann einer sich selbst kaum über Wasser halten.

Hatte einer Glück und erzielt ein gutes Einkommen, macht sich nicht selten ein anderes Problem bemerkbar. Denn die Industrialisierung und nicht zuletzt der Tourismus haben altbewährte Tradition in den Hintergrund gedrängt und so funktionierende Systeme mächtig ins Wanken gebracht. Unter der jüngeren Generation macht sich ein Drang hin zu Statussymbolen wie Radio, Fernseher und Autos breit. Der Egoismus Einzelner wird immer grösser. Man will ja auch zeigen, dass man jemand ist. Und so ganz nebenbei vergisst man seine Wurzeln und wer einem das ermöglicht hat. Plötzlich ist der Wert des Familienzusammenhalts drastisch gesunken. Schade, dass sich so viele Jugendliche von Wohlstand blenden lassen. Denn was ist ein einzelner in Afrika ohne seine Familie? Nichts, denn wenn dieser in Schwierigkeiten gerät, muss er nicht mehr auf Unterstützung und Hilfe seiner Verwandten hoffen. Nach wie vor ist und bleibt die Familie die wichtigste soziale Institution und die sollte man nicht so leichtfertig mit den Füssen treten.

Ausbildung bedeutet nicht unbedingt nur einen Job, sondern lernen fürs Leben, das Bewusstsein fördern, verstehen, was in der näheren Umgebung geschieht, sich engagieren und Änderungen herbeiführen.

Denn die Kinder von heute sind die wichtigsten Stützpfeiler für das Kenya von morgen. Mit ihnen steht und fällt die Zukunft des Landes. Sie werden es sein, die später einmal alle wichtigen Entscheide treffen, bestimmen werden, welche Richtung die Wirtschaft und die Stabilität des Landes einschlagen werden. Um diese Verantwortung tragen zu können, ist eine gute Schulbildung unumgänglich. Sie ist die Möglichkeit, die Spirale der Armut zu bremsen oder gar aus dem verzwickten Teufelskreis auszubrechen.

 

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