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Die ersten Schulen wurden mit Ausnahme der Koranschulen hauptsächlich durch christliche Missionen begründet. Viele Kenyaner liessen sich taufen, weil das für sie den Weg zur Schulbildung und Aufstiegsmöglichkeiten ebnete. Zunächst blieb der Schulbesuch den Jungen vorbehalten und nur allmählich konnte man die Eltern überzeugen, auch die Mädchen am Unterricht teilhaben zu lassen. Vielmals dienten primitive Lehmhütten als Schulzimmer. Oft mussten die Kinder barfuss über weite Strecken mehrere Stunden zur Schule gehen und am Abend wieder nach Hause. Diese Umstände trifft man heutzutage teilweise immer noch an. Für Hausaufgaben steht dann nur noch eine kleine Petroleumlampe als spärliche Lichtquelle zur Verfügung, da Elektrizität nach wie vor ein teures und sehr unzuverlässiges Luxusgut darstellt.

1913 wurde die erste Volksschule für Afrikaner eröffnet und 1926 folgte die erste Oberschule. Der Unterricht für Afrikaner, Asiaten, Arabern und Europäer fand getrennt statt, mit unterschiedlichen Lehrplänen. Schulpflicht bestand nur für Europäer. Inzwischen verfügt Kenya über 5 öffentliche und 12 private Universitäten, diverse Lehrerbildungsstätten und Fachhochschulen, welche für alle Rassen zugänglich sind. In jüngster Zeit wird auch viel mehr wert auf die praktische Berufsausbildung gelegt, was einer Lehre in der Schweiz gleichkommt.

Eine Schulpflicht existiert für Kinder zwischen 7-15 Jahren, kann aber nur wirklich in Städten durchgesetzt werden. Grundsätzlich ist nur die vierjährige Oberschule kostenpflichtig. Doch müssen Eltern oftmals für die Nebenkosten wie Uniform, Schulbücher, Hefte, Schreibutensilien und einen so genannten Gebäudefonds aufkommen. Sogar für die Matratze müssen sie bezahlen, sollte ihr Kind wegen der weiten Entfernung auf eine Art Internatsschule gehen. Hinzukommt, dass durch die Wirtschaftskrise massive Einschränkungen im Bildungsbereich gemacht wurden. Und nun sind die Eltern gezwungen, die sonst freie Schulbildung ihrer Kinder zu subventionieren. Um einem intelligenten Kind dann den Universitätsabschluss zu ermöglichen, finden jeweils im gesamten Verwandten- und Freundeskreis Sammlungen statt, welche aber leider nicht immer zum erhofften und benötigten Geldbetrag führen. Und so bleibt dem Schüler nichts anderes übrig, als die Schule vorzeitig abzubrechen.

Ein weiteres Problem, was auftritt, ist, dass tausende von Universitäts- und Oberschulabsolventen angesichts der stagnierenden Arbeitsplatzzahl und einer Arbeitslosigkeit von rund 50% keine Beschäftigung finden. Nur wenn sie Glück haben, finden die irgendeinen unterbezahlten Job, mit dem sie ihr bescheidenes Leben finanzieren können.

Aber wie geht es dann erst denjenigen, die wegen Geldmangels die Schule abbrechen mussten?  

Dieser Text wurde in Anlehnung des Buches „Kenia“ von Martin Pabst geschrieben. (erschienen in der „Beck’sche Reihe“; 885; Länder)

 

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