Eigentlich wollte ich den
Milleniumsilvester mit meinem damaligen Freund in Afrika verbringen. Es war
eine sehr komische Beziehung. Er wollte nicht mit ins Reisebüro kommen, um die
Ferien zu buchen. Nachher merkte ich auch warum. Er war zu feige um mir zu
sagen, dass er nicht mit mir in die Ferien will. So sagte er es mir erst, als
ich schon gebucht hatte. Da ich Ferien dringend nötig hatte und seit 4 Jahren
nicht mehr in Kenya war, buchte ich kurzerhand um und flog am 27.Januar 2000
alleine nach Kenya. Nach Mitternacht habe ich still und leise für mich auf
meinen Geburtstag und die Vorfreude, Kenya endlich wieder zu sehen, angestossen.
Am 28.Januar bin ich in
Mombasa gelandet. Das Hotel Southern Palms hatte ich für 3Wochen gebucht. Die
mittlere Woche, in der ich nach Zanzibar wollte, mit Freestay . (Lese dazu auch
meinen Reisebericht: Abstecher nach Zanzibar.)
Den ersten Tag verbrachte ich damit, einfach zu geniessen, dass ich wieder in
Kenya war. Am Sonntag lernte ich ein sehr nettes, älteres Schweizer Ehepaar aus
Winterthur kennen. Leider habe ich nie nach ihrer Adresse gefragt und so möchte
ich mich an dieser Stelle für die schöne Zeit und die anregenden Gespräche
bedanken.
Das Southern Palms Hotel
hat jeden Abend ein Show-Programm. Am Montagabend war eine fantastische
Akrobatikgruppe zu sehen. So ging der Montag mit einer tollen Show zu Ende, die
der Anfang von meinem Schicksal sein sollte. Am Dienstag traf ich das nette
Ehepaar wieder. Sie luden mich am späteren Nachmittag zu einem Strandspaziergang
ein. Ca. 300m vom Hotel weg trainierte ein junger Mann genau diese Akrobatik,
welche ich am Abend zuvor gesehen hatte. Ich war überzeugt: er gehörte zu dieser
Truppe. Da ich schon etwas Suaheli sprach, rief ich ihm "Unacheza mzuri" zu. Du
trainierst gut, war damit gemeint. Er winkte zum Dank und trainierte weiter und
ich lief weiter. Als ich dann auf dem Rückweg war, kam er doch zu mir und wollte
wissen, wieso ich Suaheli spreche. So kamen wir ins Gespräch. Das ältere Ehepaar
lief zum Hotel zurück, ich merkte es nicht mal, so vertieft war ich in das
Gespräch. Es war natürlich Omari, und er bot mir an, mich auf dem weiteren
Spaziergang zu begleiten. Da er auf keine Weise aufdringlich war, willigte ich
ein. Er begleitete mich zur Congo-Bucht und dort genossen wir den
Sonnenuntergang. Als es dunkel war, begleitete er mich zum Hotel zurück und wir
hatten uns schon verabredet, um Abends ins Shakatak zu gehen. Ab da an trafen
wir uns jeden Tag. Da ich keine Lust hatte, eine Woche alleine in Zanzibar zu
verbringen, lud ich Omari ein und er sagte natürlich zu. Wir verbrachten eine
wunderschöne Woche auf Zanzibar und Prison Island.
Wieder zurück an der Diani Beach, verbrachten wir auch dort jeden Tag zusammen.
Nun waren die 3Wochen Ferien vorbei. Schon anfangs war ich ehrlich zu Omari und
sagte ihm, dass ich zu Hause einen Freund hätte, den ich nicht wegen ihm
aufgeben werde. Nach diesen 3Wochen hätte ich zurück fliegen sollen, doch das
Flugzeug war überbucht. Und wie ich es geschafft habe das ICH bleiben konnte,
kann ich hier leider nicht erklären. Fabrizio der Chefreiseleiter von Hotelplan
hat mich schon so in schlechter Erinnerung, dass ich ihm nicht noch mehr Ärger
machen will. Nun ging es also wieder zurück ins Hotel. Die letzte Woche war ich
noch zusammen mit Omari im Diani Palm. Aber dann gingen leider auch meine
Ferien zu Ende.
Es war zwar eine sehr schöne Zeit mit Omari, aber ich wollte die Beziehung zu
Hause nicht sofort abbrechen. Doch mit der Zeit lief es immer weniger gut. Im
März ging ein Arbeitskollege nach Kenya ins Southern Palms in die Ferien. Ich
gab ihm die Fotos von Omari und einige Sachen für ihn mit. Über den
Arbeitskollegen und das Hotel rief ich Omari an, um zu fragen, ob er die Sachen
bekommen hat. Wir vereinbarten noch, dass ich ihn jeden Monat einmal anrufen
werde.
Erst im September beendigte ich die inzwischen sehr angeschlagene Beziehung. Ich
fühlte immer mehr, dass es Omari ehrlich meinte und er fragte mich nie nach
Geld. Ab Oktober telefonierten wir jede Woche. Dann wusste ich, jetzt gilt es
Ernst. Ich begann, alle Papiere zusammenzusuchen, die ich für eine
Eheschliessung brauchen könnte, oder besser gesagt für ein Visum, damit Omari in
die Schweiz kommen konnte. Ich fragte eine Kenyanische Kollegin. Sie sagte mir,
ich brauche für sein Visum:
- Eine
Arbeitsbestätigung, dass ich in ungekündigtem, festangestellten
Arbeitsverhältnis stehe.
- Ein Kontoauszug das ich 20'000sFr. Gespartes habe.
- Wenn die 20'000.- sFr nicht vorhanden sind, einen Betreibungsauszug der nicht
älter als einen Monat ist. (Leider erfuhr ich davon erst auf der Botschaft in
Nairobi)
- Einen Nachweis das Omari bei einer Krankenkasse aufgenommen wird oder
versichert ist. (Kann man erst machen, wenn die Person in der Schweiz ist. Ich
hatte ein Schreiben dabei, in dem meine Krankenkasse bestätigte, ihn
aufzunehmen, sobald er in der Schweiz ist.)
- Ein Einladungsschreiben
-
Eine Wohnsitzbestätigung
Für die Hochzeit habe ich folgende Papiere
vorbereitet:
- Einen internationalen Personenstandsausweis (Das man nicht verheiratet ist)
- Den Pass
- Ich habe meine Scheidungsurkunde übersetzten und beglaubigen lassen.
- Eine internationale Geburtsurkunde (wollte die CH-Botschaft dann noch um die
Hochzeit in der Schweiz zu legalisieren)
Mit all diesen Papieren im Original und zwei Kopien flog ich am 18.Januar 2001
wieder nach Kenya. Als ich in Kenya war, musste nun Omari all seine Papiere
zusammen fragen. Zuerst kümmerten wir uns um seinen Pass, den er schon seit
Oktober beantragt hatte. Das ist auch so eine Geschichte, bis ein Kenyaner
seinen Pass bekommt. Eigentlich kostet ein Pass 1'500.-KSH. Dazu braucht man in
Nairobi die Identitätskarte und die Geburtsurkunde und man bekommt den
Pass für 1'500.-KSH in Nairobi innerhalb von ein bis zwei Tagen.
In Mombasa brauchte Omari:
- die ID-Karte
- die Geburtsurkunde
- den Einladungsbrief aus Europa
- Gültiges Hin- und Rückflugticket
- Eigentlich einen Arbeitsnachweis und Lohnausweis (Wenn es keinen gibt muss man
ihn irgendwo kaufen)
Die Preise in Mombasa sind auch etwas anders. Offiziell kostet der Pass auch in
Mombasa 1'500.-KSH.
Doch wenn man nur 1'500.- bezahlt, wartet man über ein Jahr auf den Pass. Wenn
man 12'000.- bis 15'.000.- bezahlt, hat man eine Wartezeit von ca. 6Monaten.
Bezahlt man 20'000.-, bekommt man den Pass innerhalb einer Woche. Um den Pass am
nächsten Tag zu erhalten, wie in Nairobi, bezahlt man in Mombasa mind. 25'000.-
Jetzt kann jeder den Weg nehmen, der für ihn einfacher ist. Den riesigen
Papierberg und teuer in Mombasa, oder den Weg nach Nairobi.
Omari hat den Pass am 24.Januar erhalten, den er im Oktober beantragte und hat
dafür 15'000.- KSH bezahlt. Mit seinem neuen Pass
und all meinen Visumspapieren flogen wir nach Nairobi, direkt zur Schweizer
Botschaft, um ein Visum für Omari zu beantragen. Leider bekamen wir kein Visum
weil ich die 20’000.-sFr. nicht hatte und von Kenya aus konnte ich keinen
Betreibungsauszug beantragen, da man diesen bei uns in der Schweiz persönlich
einholen muss. Ich erfuhr erst auf der Botschaft dass man statt der 20'000.-
auch ein Betreibungsauszug vorlegen kann. Aber nun hatte ich keine Möglichkeit
mehr einen zu organisieren. Traurig und enttäuscht flogen wir nach Mombasa
zurück. (Lese dazu meinen Reisebericht: Nairobi). So
entschlossen wir uns in Kenya zu heiraten.
Danach kümmerten wir uns um die Heiratspapiere. Omari brauchte:
- einen
Personenstandsnachweis (von seinem Geburtsbezirk eine Bestätigung das er
nicht verheiratet ist.)
- Die Kopie von der ID von seinen Eltern
- Die Namen von zwei Trauzeugen die eine ID besitzen
Mit all seinen und meinen Papieren gingen wir zum offiziellen Standesamt nach
Mombasa, um zu fragen, ob wir alle Papiere haben. Wir hatten alle Papiere. Das
war der 9.Februar 2001. Die Standesbeamtin fragte mich, ob ich in den Ferien bin
und das es wohl eile. Ich sagte ja. So gab sie uns am Montag den 12.Februar 2001
den Termin. Ich erklärte ihr, dass es doch nicht so sehr eile und das wir gerne
am Freitag heiraten würden. Wir bezahlten 8'000.-KSH Hochzeitsgebühr
(Normalpreis. Ohne Schmiergeld. Sogar mit Quittung) und bekamen den Termin am
16.Februar 2001. So hatte ich doch noch ein wenig Zeit die Hochzeit ein bisschen
zu organisieren. Ich hatte ja auch noch kein Kleid. Danach kämmten wir die Stadt
nach einem einfachen, weissen Sommerkleid durch. Dies war aber einfach nicht
aufzutreiben. Den Stadtführer, der uns durch sämtliche Geschäfte führte,
verliess allmählich die Geduld. So zeigte er uns eine kleine Schneiderei in der
Nähe der Altstadt. Eigentlich wollte ich ja kein Hochzeitskleid, sondern einen
schönen Sommerrock. Doch als jemand erklärte, dass es für die Hochzeit ist,
zeigten sie mir einen Katalog mit Hochzeitskleider. Aber ich wollte doch etwas
Einfaches! Wir heiraten nur Standesamtlich und nicht Kirchlich! Da kam eine
Schneiderin und zeichnete mir auf ca. 15cm Grösse ein "einfaches"
Hochzeitskleid. Ich gab mich geschlagen. Dann begannen sie, an mir Mass zu
nehmen. Ich holte ganz tief Luft. Bei uns in der Schweiz kostet es mindestens
500.- sFr. nur ein Hochzeitskleid zu mieten. Und die wollen ein
Massgeschneidertes Kleid machen??????? Ich fragte wie viel das kosten würde und
hielt die Luft an. Der Chef gab mir zuerst noch einige Stoffe zur Auswahl und es
wurde abgeklärt, ob ich Tüll oder Netz wünsche. Also wie viel..? Ich hielt die
Luft wieder an. Einige Zahlen auf ein Papier gekritzelt, zusammengezählt. Ich
war schon fast blau... 6'000.-KSH. 150.-sFr. (zum damaligen Kurs) Ich konnte
es kaum glauben! Ein Massgeschneidertes Kleid???? Am Mittwoch konnte ich es
abholen. Da gab es noch eine kleine Überraschung. In der Sonne hatte das Kleid
einen blauen Schimmer und Blau ist meine Lieblingsfarbe. Ich war total
begeistert.
Es war eine wunderschöne Hochzeit im Familien- und Freundeskreis.
Nach der Hochzeit mussten wir eine Woche auf den gelben, internationalen
Eheschein warten, der von Nairobi kam. Danach ging es in Mombasa zum Schweizer
Konsulat um abzuklären, welche Papiere wir nun abgeben mussten, um die Ehe in
der Schweiz zu legalisieren und welche Papiere es brauchte, damit Omari das
Visum bekommt. Hier ein Tipp: auch die Botschaften in Kenya arbeiten langsam.
Unsere Papiere blieben noch zwei Wochen in Kenya liegen, bis sie die Reise in
die Schweiz in Angriff nahmen. Also, es braucht viel Geduld!
Unsere Rückflüge wären eigentlich auf Ende März gebucht gewesen. Die
CH-Botschaft sagte uns am Anfang es dauert ca. 3Monate bis Omaris Visum in der
Schweiz durch ist. Nach mehrmaliger Anfrage in der Botschaft erklärten sie mir,
wo ich mich selber in der Schweiz erkundigen konnte, wie weit die Papiere sind.
Nach einigen Telefonanrufen in die Schweiz war klar, dass das Visum bis Ende
April nicht in Kenya sein würde. Nun musste ich mich entscheiden, ob ich alleine
in die Schweiz zurückkehre oder ob ich bei Omari bleibe bis er das Visum hat und
wir zusammen in die Schweiz fliegen. Da ich vor den Ferien sowieso die
Arbeitsstelle gekündigt hatte, entschied ich mich zu bleiben. Da es nun
Flugplanwechsel gab flog unsere Fluggesellschaft bis zum 2.Juli nicht mehr in
die Schweiz.
An dieser Stelle ein riesiges Kompliment an mein Reisebüro in der Schweiz, die
es überhaupt möglich gemacht haben, dass wir am 2.Juli in die Schweiz fliegen
konnten. Vielen Dank Frau Hassler.
Denn es gab noch sehr grosse Probleme mit dem Umbuchen, was eigentlich gar nicht
möglich gewesen wäre.
Meiner ganzen Familie auch ein riesiges Dankeschön, weil sie mich von der
Schweiz aus ganz toll Unterstützt und geholfen haben. Auch ohne die Hilfe meiner
Familie wäre das nicht möglich gewesen.
Herzlichen Dank an alle!!
So verbrachten Omari und ich nochmals 3 wunderschöne Monate in Kenya, wo ich das
Land, die Familie und die Mentalität näher kennen lernen durfte.
Mitte Juni konnte Omari das Visum in Nairobi abholen. Und wir flogen am 2.Juli
zusammen als Ehepaar in die Schweiz.
Hier nochmals zur Erinnerung. Unsere Papiere gingen anfangs März in die Schweiz.
Er konnte sie mitte Juni in Nairobi abholen. Die Botschaft sagte uns es dauert
3Monate, es waren 4Monate. Verlasst euch nie auf diese Zeitspanne die euch
gesagt wird! Meistens dauert es länger. Ich habe noch nie von jemandem gehört
dass der Papierkrieg schneller ging als angegeben wurde.
Wir haben es geschafft. Du wirst es auch schaffen wenn du an deine Liebe
glaubst.
Viel Glück und Geduld
wünschen dir Katharina und Omari
Bei Fragen, wende dich an: katharina@kenyainfo.ch